Am Samstag den 16. und Sonntag den 17. Oktober 2009 präsentierte die Reitanlage Gut Haslach zwei leidenschaftliche Vertreter einer kommunikativen Pferdeausbildung: Naturalhorsemanship nach Pat Parelli und die Hand-Sattel-Hand Methode nach Fritz Stahlecker.
Reiter und Zuschauer waren Gast eines Praxisseminars, bei dem beide ihre individuellen Methoden am Beispiel ausgewählter Pferde demonstrierten. Es waren zwei Tage des gedanklichen und praktischen Austausches. Durchaus willkommen waren die Pausen im warmen Reiterstüberl, die die Teilnehmer dankend sowohl zur Stärkung als auch zur Diskussion annahmen. Die praktische Demo-Einheiten in der Reitbahn, bei der die beiden Lehrer ihre Methoden am Pferd anwendeten, wurden durch theoretische Erläuterungen während der Demonstration begleitet. Rund 50 Personen, darunter einige teilnehmenden Reiter mit eigenem Pferd, angereist aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz, fanden sich auf Gut Haslach ein. Es gab die Möglichkeit am zweitägigen Praxisseminar mit eigenem Pferd teilzunehmen oder als Zuschauer den workshop zu begleiten. Trotz des rauen und unwirtlichen Wetters und eisiger Temperaturen in der Reithalle waren alle Teilnehmer guten Mutes und ließen sich nicht abschrecken den Workshop vom morgen bis zum späten Nachmittag zu verfolgen. Bernie Zambail, seines Zeichens Parelli Instructor Level 4, stellte die Natural horsemanship Methode am Boden sowie im Sattel vor. Sein persönliches Ziel im Horsemanship ist die Verfeinerung der klassischen Dressur. Dabei wurde klar, dass sich die Grundsätze der natural horsemenship Methode idealer Weise mit der Grundausbildung der HSH Methode ergänzen.
Fritz Stahlecker, Autodidakt und seit vielen Jahren Dressur-Ausbilder bis zum Grand Prix Niveau kommentierte am Beispiel zweier Pferde der Reitanlage Gut Haslach die Grundidee seiner HSH Methode. Ramona Seifert präsentierte die beiden Pferde an der Hand und zeigte unterschiedliche Ausbildungsstufen. Der erste Tag stand ganz im Zeichen der Grundausbildung des jungen Pferdes. Den Teilnehmern des Praxisseminars bot sich jeweils die Gelegenheit in kurzen Workshopeinheiten mit den beiden Experten verschiedene Themen am Pferd zu erarbeiten. Beiden Pferdemännern geht es um einen respektvollen Umgang mit dem Pferd, es zur Mitarbeit zu motivieren. Ziel ist eine befriedigende und beglückende Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd. Ein Schatz an Erfahrungen und Erkenntnisse aus einer langen Pferdepraxis wurde an diesem Wochenende für die Zuschauer und Teilnehmer geöffnet. Im Mittelpunkt stand die schonende Ausbildung und das Ideal eines respektvollen Umgang mit dem Geschöpf Pferd.
Der Sonntag sollte im Zeichen der Adaption stehen: wie ergänzen sich beide Methoden idealerweise. Horsemanship und HSH wurden miteinander kombiniert und ausprobiert. Nach Parelli gearbeitete Pferde wurden mit HSH Equipement vertraut gemacht und nach HSH Methode vorgestellt. Umgekehrt wurde ein bisher nach HSH ausgebildetes Pferd mit der Parelli Methode gearbeitet. Dabei wurde deutlich, dass dies durchaus eine fruchtbare Verbindung sein kann. Nach einer guten Grundausbildung am Boden, steht das Reiten auf dem Plan. So rückte am Sonntag das Reiten in den Vordergrund. Fritz Stahlecker hatte Gelegenheit seine neuentwickelte Stahlecker-Kandare vorzustellen. Die Zuschauer konnten 5 Reiterinnen und ihre Pferde mit durchaus unterschiedlichen Ausbildungsständen erleben, die die 3:1 Kandarenführung zeigten. Fritz Stahlecker kommentierte und korrigierte, so dass die Zuschauer, Teilnehmer einer klassischen Reitstunde wurden.
Am 19. September war es endlich wieder soweit. Die Reitanlage Gut Haslach war nach einem Jahr Pause wieder Ausrichter des Holledauer Distanzrittes über 39 km. Obwohl der diesjähriger Ritt nicht die große Masse an Reitern anlockte, da in der nahen und fernen Umgebung andere Reitveranstaltungen stattfanden, war das Engagement der Veranstalter Ramona und Franz Seifert und ihrer Helfer ungebrochen. Anna Mitschko, Reitlehrerin auf Gut Haslach, hatte unter ihren Reitschülern freiwillige Mitstreiter gewonnen. Zahlreiche Einsteller wie Friederike Kufer, Familie Klein, Sabrina Kurer, um nur einige stellvertretend zu nennen, stellten ihr Wochenende in den Dienst des Holledauer Distanzrittes. Familie Benke wachte über den Ausschank der Getränke und die guten Seelen der Anlage Iveta sowie Martina sorgten für das leibliche Wohl. Es fand sich ein überschaubares, äußerst motiviertes Starterfeld von 20 Reitern auf der Anlage ein. Die ehrenamtlichen Helfer der Anlage bekamen tatkräftige Unterstützung von der VDD Regionalbeauftragten Petra Ludley und der Jugendwartin.
Um sechs Uhr in der Früh standen alle bereit, um Roß und Reiter zu betreuen. Als Einführungsritt lockt der Holledauer Distanzritt meist Neulinge an, die alle pflichtgemäß die Voruntersuchung der Pferde unter der Leitung von Frau Dr. Prell absolvierten. Zur allgemeinen Freude der Reiter konnten alle gemeldeten Pferde starten. Der diesjährige Ritt versprach spannend zu werden, da im Starterfeld unterschiedliche Rassen vom klassischen Vollblutaraber über Ponies und Kleinpferde bis hin zum Hannoveraner zu finden waren.
Pünktlich um 9:00 Uhr passierte das erste Pferd-Reiter-Team die Startlinie. Das Wetter stand eindeutig auf der Seite der Aktivisten, denn bei kühler, herbstlicher Temperatur, aber trockenen Wegen, lässt sich gut reiten. Streckenposten des Team Haslach (Friederike, Christoph, Monika, Walter u.v.m.) achteten mit Argusaugen auf die Einhaltung der 39 km langen Wegstrecke. Alle 20 Pferde passierten den ersten Gesundheitscheck mit Pulsmessung auf der Strecke ohne Beanstandung und setzten ihren Ritt fort. Die gut markierte Wegstrecke verlief in einer Acht um die Reitanlage, so dass Startpunkt und Zieleinlauf auf Gut Haslach lag. Neben der Pulskontrolle auf der Wegstrecke müssen alle Starter nach 20 km in das sogenannte Vetgate, um den Gesundheitszustand ihrer Pferde überprüfen zu lassen. Lediglich 2 Pferde wurden von ihren Reitern nach 20 km wegen körperlichen Problemen aus dem Ritt genommen. Eine junge Reiterin verzichtete nach der Hälfte auf das Weiterreiten, da die eigene Kondition nicht ausreichte. Um so mehr sind die teilnehmenden Reiter und Pferde zu loben, die sich und ihre Pferde nicht überforderten.
Am Ende kamen Roß und Reiter zufrieden mit ihrer Leistung ins Ziel. Nachdem die Teilnehmer ihre Pferde versorgt hatten, konnte man endlich zum gemütlichen Teil übergehen. Das warme Reiterstüberl lud zum Erholen und Plaudern ein. Gespannt wartete man auf die Ergebnisse aus der Meldestelle. Gewohnt professionell hatte Karin Wirth, die bereits für die Nennungen und Meldestelle verantwortlich war, schnell alle Zeiten der Reiter erfasst, so dass die Auswertung in absehbarer Zeit vorlag. Distanzreiter wissen, dass die abschließende Untersuchung maßgebend für das Endergebnis eines Rittes ist.
2 Stunden nach Zieleinlauf findet die Abschlußuntersuchung des Pferdes statt. Um in die Wertung zu kommen, muß das Pferd in einem gesundheitlich unbedenklichen Zustand sein, so dass es theoretisch in der Lage wäre noch einmal 20 km zu laufen.
Am späten Nachmittag fanden sich alle Teilnehmer, müde und hungrig, aber glücklich und stolz zum gemütlichen Beisammensein und Ehrung im warmen Reiterstüberl der Anlage ein. Zur großen Überraschung siegte dieses Mal kein arabisches Vollblut, sondern ein großrahmiger Hannoveraner, dessen Reiter sich sichtlich freute. Als Erinnerung an den Ritt erhielten alle Teilnehmer eine Stallplakette. Abschließend dankte Petra Ludley der Familie Seifert für ihr Engagement und schloß mit einem vielversprechenden Ausblick auf weitere Veranstaltungen der Reitanlage Gut Haslach.
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